E U R O P A F O R U M

SPD Schleswig-Holstein

Soziale Demokratie

Jahresversammlung & Positionspapier des Deutsch-Nordischen sozialdemokratischen Jugendnetzwerks

 

Vom 18. bis 20. Mai 2018 traf sich das Deutsch-Nor­di­sche sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Jugend­netz­werk (‘GNSDY’ = Ger­man-Nor­dic Soci­al Demo­cra­tic Youth Net­work) in Stock­holm, um über Poli­tik zu dis­ku­tie­ren. Ver­tre­ter der Jusos aus den Kreis­ver­bän­den Flens­burg, Stein­burg und der Hoch­schul­grup­pe Flens­burg tra­fen sich mit sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Schwes­ter­ver­bän­den aus Däne­mark, Schwe­den, Nor­we­gen und Finn­land.

 

Pro­jekt­in­itia­to­rin des GNSDY, Wieb­ke Mohr (Jusos Flens­burg), zeig­te sich sehr zufrie­den mit der Ent­wick­lung der Zusam­men­ar­beit. “Unse­re Ver­bän­de ver­ste­hen sich als Teil einer inter­na­tio­na­len Fami­lie und der Aus­tausch über Gren­zen hin­weg liegt uns natür­li­cher­wei­se am Her­zen. Dass es aber gelun­gen ist so vie­le jun­ge Men­schen aus unter­schied­lichs­ten Län­dern zusam­men­zu­brin­gen ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit und des­we­gen ein gro­ßer Erfolg.”

 

Das Ger­man-Nor­dic Soci­al Demo­cra­tic Youth Net­work (‘GNSDY’) wur­de im ver­gan­ge­nen Jahr in Flens­burg durch Initia­ti­ve von Wieb­ke Mohr und den Jusos Schles­wig-Flens­burg, Flens­burg, Nord­fries­land und Neu­müns­ter sowie mit Ver­tre­tern des Sve­ri­ges Soci­al­de­mo­kra­ti­s­ka Ung­doms­för­bund (SSU) Stock­holm gegrün­det und umfasst neben den skan­di­na­vi­schen Län­dern und Deutsch­land auch die fin­ni­schen und islän­di­schen sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Jugend­ver­bän­de.

 

In Stock­holm wur­den inten­siv die Berei­che Bil­dung, Migra­ti­on, Öko­no­mie, Umwelt und Gesund­heit dis­ku­tiert. Es zeig­te sich, dass es vie­le gemein­sa­me Her­aus­for­de­run­gen gibt und für vie­le Pro­ble­me rein natio­na­le Lösun­gen nicht mehr aus­rei­chend sind. Die gemein­sa­men Posi­tio­nen wur­den in einem Posi­ti­ons­pa­pier, wel­ches hier  PositionPaper_GNSDY2018 ein­seh­bar ist, fest­ge­hal­ten.

 

 Jan-Han­nes Schä­fer (Teil­neh­mer aus Nord­fries­land und Lei­ter der Jusos-Dele­ga­ti­on) beschreibt das Tref­fen fol­gen­der­ma­ßen: “Wir haben fest­ge­stellt, dass trotz unter­schied­li­cher Sys­te­me vie­le Pro­ble­m­ur­sa­chen ähn­lich sind und anschlie­ßend mög­li­che Lösun­gen für die drän­gends­ten Schief­la­gen dis­ku­tiert. Ein gemein­sa­mes Posi­ti­ons­pa­pier, wel­ches wir jetzt in unse­re Orga­ni­sa­tio­nen und Mut­ter­par­tei­en tra­gen wol­len, wird Start­punkt sein für wei­te­re Dis­kus­sio­nen.”

 

Kern­punk­te waren der Kampf gegen Steu­er­flucht, ein Quo­ten­sys­tem für Geflüch­te­te, die gerecht über alle euro­päi­schen Staa­ten ver­teilt wer­den sol­len, die Fra­ge der psy­chi­schen Gesund­heit bei Jugend­li­chen, sowie eine öko­lo­gi­sche Wen­de bei­spiels­wei­se durch kos­ten­frei­en ÖPNV.

 

Ein ande­rer Teil­neh­mer, Patrick Lan­ge, Stu­dent an der Uni­ver­si­tät Flens­burg, bemerk­te aber auch unter­schied­li­che Sicht­wei­sen: “Wäh­rend wir uns bei wirt­schaft­li­chen Fra­gen wie bei­spiels­wei­se der Ein­füh­rung einer Finanz­trans­ak­ti­ons­steu­er und dem Kampf gegen Steu­er­flucht einig waren, gab es doch unter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen in den Berei­chen Migra­ti­on und Umwelt. Nichts­des­to­trotz gab es eine star­ke gemein­sa­me Wer­te­grund­la­ge.”

 

Das nächs­te Tref­fen des Netz­wer­kes soll im kom­men­den Jahr statt­fin­den und die gemein­sa­me Arbeit fort­ge­führt wer­den. Die 2019 anste­hen­den Euro­pa­par­la­ments­wah­len wer­den vor­aus­sicht­lich einen Kern­punkt des Tref­fens aus­ma­chen. Im Sep­tem­ber die­ses Jah­res ste­hen in Schwe­den zunächst Wah­len an. Die schwe­di­schen jun­gen Sozi­al­de­mo­kra­ten luden die Teil­neh­men­den aus Deutsch­land nach Stock­holm ein. Die sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Regie­rung wird dann hof­fent­lich im Amt bestä­tigt.

BREXIT: Cameron hat sich verzockt! Sozialdemokratie muss Europa besser machen!

Tja: Durch den Aus­stieg des Ver­ei­nig­ten König­reich ist ein poli­ti­scher Scha­den für die euro­päi­sche Idee ent­stan­den. Bedau­er­lich ist vor allem, dass die älte­ren Wäh­ler mehr als die jun­gen die­sen Aus­tritt woll­ten. Die Alten berau­ben die Jun­gen damit um ihre Zukunfts­chan­cen, denn die­ser BREXIT wird öko­no­misch, gesell­schaft­lich und innen­po­li­tisch durch die Abspal­tungs­ten­den­zen der Schot­ten, Nord­iren sowie Wali­ser für Groß­bri­tan­ni­en ein Desas­ter. mehr…

Fortschrittliche Politik für Europa, bloß welche und wie?

Seit meh­re­ren Jah­ren gehö­re ich dem von der Fried­rich-Ebert-Stif­tung in Polen initi­ier­ten “Pro­gres­si­ven Netz­werk 2020” an. Wir haben aus unse­ren Debat­ten ein “Poli­cy Paper” ent­wi­ckelt, an dem ich mit­ge­wirkt habe. Ich hof­fe, dass trotz der gegen­wär­ti­gen, mie­sen Regie­rungs­po­li­tik durch die Rechts­kon­ser­va­ti­ven und Natio­na­lis­ten in Polen, unse­re Impul­se für eine pro­gres­si­ve Poli­tik irgend­wann doch noch ihre Kraft ent­fal­ten wer­den. Wir haben nach einer klei­ner Pau­se unse­re Arbeit im Netz­werk wie­der auf­ge­nom­men — kurz vor dem Rechts­ruck in Polen. Dazu habe ich an dem Erstel­len eines the­sen­haf­ten Auf­ris­ses, der sich dem Grund­satz “Pro­gres­si­ve Poli­tik und Demo­kra­tie” wid­met, mit­ge­wirkt; der möge breit dis­ku­tiert und kom­men­tiert wer­den. Eine ande­re Arbeits­grup­pe beschäf­tigt sich mit den sozia­len und öko­no­mi­schen Bedin­gun­gen pro­gres­si­ver Poli­tik. Lese­rIn­nen die­ses Blogs dür­fen gern ihren Kom­men­tar dazu abge­ben. Die kom­men­den Tage mit ihrem besinn­li­chen, fried­fer­ti­gen Cha­rak­ter eig­nen sich ja beson­ders dazu, sich sol­chen Gedan­ken zu stel­len, wie es gelin­gen kann, pro­gres­si­ve Poli­tik in Euro­pa vor­an­zu­brin­gen. Hier nun der Auf­riss auf deutsch, der auch gern dort drü­ben auf Eng­lisch kom­men­tiert wer­den kann. Ich will Eure Anmer­kun­gen gern in den Arbeits­pro­zess des Netz­werks ein­brin­gen: mehr…

Ist Rot-Grün in Schweden gescheitert?

In Schwe­den wird es zu Neu­wah­len kom­men. Ein für die schwe­di­sche Demo­kra­tie eher unge­wöhn­li­cher Vor­gang. Die letz­te Neu­wahl wur­de 1958 aus­ge­ru­fen. Gero Maass, der das Büro der Fried­rich Ebert Stif­tung in Stock­holm lei­tet, hat ein paar Ein­schät­zun­gen dazu auf­ge­schrie­ben:

Ers­te Umfra­gen bele­gen, dass eine Mehr­heit den Beschluss zu Neu­wah­len begrüßt. Gefragt nach den Koali­ti­ons­prä­fe­ren­zen spre­chen sich aller­dings der­zeit nur zwei Pro­zent für eine Neu­auf­la­ge der rot-grü­nen Min­der­re­gie­rung aus. Das zeigt ganz deut­lich, dass das Regie­rungs­mo­dell der rot-grü­nen Min­der­heits­re­gie­rung bis­lang nicht über­zeu­gen konn­te. 14 Pro­zent sähen ger­ne die Links­par­tei mit an Bord, 19 Pro­zent möch­ten eine Neu­auf­la­ge der bür­ger­li­chen Alli­anz und 26 Pro­zent plä­die­ren für eine block­über­grei­fen­de Koali­ti­on unter Füh­rung der Sozi­al­de­mo­kra­ten.

Den gan­zen Arti­kel fin­det ihr auf ipg-jour­nal.

Historischer Moment der europäischen Demokratie?

All­mäh­lich wird mir erst rich­tig bewusst, an wel­chem his­to­ri­schen Ereig­nis für die euro­päi­sche Demo­kra­tie ich in Rom Anteil hat­te: Wir haben das ers­te Mal als Sozialdemokrat*innen einen euro­päi­schen Spit­zen­kan­di­da­ten für die Wah­len zum Euro­pa­par­la­ment gewählt!
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Together for Change!

Vor der Kulis­se des zuneh­men­den Natio­nal­chau­vi­nis­mus in eini­gen EU-Mit­glied­staa­ten kamen vom 8. bis zum 10. März die­ses Jah­res Akti­vis­tin­nen und Akti­vis­ten der euro­päi­schen Sozi­al­de­mo­kra­tie in Buda­pest, der Haupt­stadt des zur­zeit wegen sei­ner Ver­fas­sungs­re­for­men streit­bars­ten EU-Mit­glieds Ungarn zusam­men. mehr…

Oskar Negt | Foto: Steffen Voß

Oskar Negt: Gesellschaftsentwurf Europa

Der Sozi­al­phi­lo­soph Oskar Negt war am 13. Novem­ber 2012 auf Ein­la­dung des Kul­tur­fo­rums Schles­wig-Hol­stein und des Lite­ra­tur­hau­ses zu Gast in Kiel, um über über sein aktu­el­les Buch “Gesell­schafts­ent­wurf Euro­pa” zu refe­rie­ren und zu dis­ku­tie­ren. Sei­ne Streit­schrift war auch eine Ant­wort auf “Zur Ver­fas­sung Euro­pas”, in der Jür­gen Haber­mas vor allem die stär­ke­re demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on Euro­pas for­der­te. Oskar Negt aber sprach dar­über, dass Euro­pa nicht nur ein Euro­pa der Unter­neh­men sein kann, son­dern auch ein soli­da­ri­sches, mensch­li­ches Euro­pa sein muss. mehr…

Vom Kongress der Sozialdemokratischen Partei Europas in Brüssel

Kon­gress der Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei Euro­pas in Brüs­sel: Euro­pa­wah­len 2014: Ein gemein­sa­mer Spit­zen­kan­di­dat, ein gemein­sa­mes Pro­gramm, ein gemein­sa­mer Wahl­kampf!

 

PES Kon­gress

Brüs­sel statt Buka­rest. Kurz­fris­tig wur­de der für die rumä­ni­sche Haupt­stadt ein­be­ru­fe­ne Kon­gress der Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei Euro­pas (SPE) nach Bel­gi­en ver­legt. Hin­ter­grund: Die poli­ti­sche Situa­ti­on in Rumä­ni­en, u.a. mit einem andau­ern­den Macht­kampf zwi­schen der Regie­rung unter dem sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Vic­tor Pon­ta und dem kon­ser­va­ti­ven Prä­si­dent Trai­an Bases­cu. Mit der Ver­le­gung woll­te das SPE-Prä­si­di­um ver­mei­den, dass die Auf­merk­sam­keit der Öffent­lich­keit sich auf die inner­ru­mä­ni­sche Situa­ti­on rich­tet, statt auf das Haupt­the­ma des Kon­gres­ses, wie ein sozi­al­de­mo­kra­ti­scher und pro­gres­si­ver Weg aus der Wirt­schafts- und Finanz­kri­se in Euro­pa aus­se­hen kann. Auch die SPD unter­stütz­te die Ver­le­gung, die lei­der auf­grund ihrer Kurz­fris­tig­keit nicht nur erheb­li­che orga­ni­sa­to­ri­sche Her­aus­for­de­run­gen brach­te, son­dern auch zur Fol­ge hat­te, dass der Kon­gress nur einen Tag statt­fand, anstatt der vor­ge­se­he­nen ein­ein­halb Tage. So blieb lei­der sehr viel weni­ger Zeit zu der not­wen­di­gen Dis­kus­sio­nen, die doch so drin­gend not­wen­dig sind, wenn die euro­päi­sche Sozi­al­de­mo­kra­tie ihre Zusam­men­ar­beit und damit ihren Ein­fluss stär­ken will. Auch die Tagungs­be­din­gun­gen, dicht gedrängt in einem gro­ßen Kino­saal ohne Tische, waren nicht gera­de ide­al.

Vor­be­rei­tun­gen auf die Euro­pa­wah­len 2014

Trotz die­ser eher ungüns­ti­gen Aus­gangs­be­din­gun­gen muss man den Kon­gress ins­ge­samt als erfolg­reich bezeich­nen. Er brach­te mit der ein­stim­mi­gen Annah­me der Grund­satz­re­so­lu­ti­on „Tog­e­ther for the Euro­pe we need” eine gemein­sa­me Posi­tio­nie­rung der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei­en Euro­pas. Die­se ist auch eine gute Grund­la­ge für ein gemein­sa­mes Wahl­pro­gramm, mit denen die sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei­en gemein­sam zu den Euro­pa­wah­len 2014 antre­ten wer­den. Damit wächst die Chan­ce, 2014 end­lich einen euro­päi­schen Wahl­kampf zu füh­ren und nicht 27 ein­zel­ne natio­na­le Wahl­kämp­fe. Übri­gens etwas, dass die SPD Schles­wig-Hol­stein bereits seit län­ge­rem gefor­dert hat.Dazu zählt auch, dass es einen gemein­sa­men euro­päi­schen Spit­zen­kan­di­da­ten geben soll, der für das gemein­sa­me Pro­gramm steht. Der Kan­di­dat soll — so der Beschluss- in einem „offe­nen, trans­pa­ren­ten und demo­kra­ti­schen Pro­zess” gewählt wer­den. Das gemein­sa­me Pro­gramm sol­len alle SPE-Mit­glieds­par­tei­en gemein­sam ent­wi­ckeln. Es bleibt zu hof­fen, dass auch die­ser inhalt­li­che Dis­kus­si­ons­pro­zess trans­pa­rent ver­läuft, so dass die ein­zel­nen Par­tei­en und nicht nur die Vor­stän­de sich ein­brin­gen kön­nen. In die Sta­tu­ten wur­de extra neu das Instru­ment eines Wahl­par­tei­ta­ges auf­ge­nom­men, der vor den Euro­pa­wah­len ein­be­ru­fen wird und den gemein­sa­men SPE-(Spitzen) Kan­di­da­ten wählt, der damit der Kan­di­dat für den Prä­si­den­ten der EU-Kom­mis­si­on der Sozi­al­de­mo­kra­ten in Euro­pa ist. Der Wahl­par­tei­tag wird auch das gemein­sa­me Wahl­pro­gramm ver­ab­schie­den. Mehr noch: Wört­lich heißt es im Beschluss: „Wir sind die ers­te euro­päi­sche Par­tei, die tat­säch­lich einen euro­päi­schen Wahl­kampf füh­ren wird, der in ganz Euro­pa sicht­bar sein wird mit gemein­sa­men Bot­schaf­ten und einem gemein­sa­men Gesicht.” Den Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern soll klar gemacht wer­den, dass die Wahl einer sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Mehr­heit im Euro­päi­schen Par­la­ment sich posi­tiv auf ihr Leben aus­wir­ken wird.

 

PES Kon­gress

Aber auch die Zusam­men­ar­beit und der Aus­tausch der ein­zel­nen SPE-Par­tei­en soll ver­bes­sert wer­den: Die Par­tei­en sol­len sich mehr als bis­her in den natio­na­len Wahl­kämp­fen unter­stüt­zen. Dazu soll eine Platt­form für die Mit­glieds­par­tei­en zum Aus­tausch bewähr­ter Prak­ti­ken im Wahl­kampf, in der Par­tei­or­ga­ni­sa­ti­on sowie für poli­ti­sche Ide­en ein­ge­rich­tet wer­den. Eine beson­de­re Rol­le spie­len dabei die „PSE-Activists“- Par­tei­mit­glie­der, die sich mit Kam­pa­gnen und Akti­vi­tä­ten in die euro­päi­sche Poli­tik ein­mi­schen und gemein­sa­me inhalt­li­che Posi­tio­nen erar­bei­ten und fort­ent­wi­ckeln.

Sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Wege aus der Wirt­schafts- und Finanz­kri­se

Inhalt­li­cher Schwer­punkt des Kon­gres­ses war natür­lich die Finanz- und Wirt­schafts­kri­se und das Schei­tern der Aus­teri­täts­po­li­tik der kon­ser­va­ti­ven und libe­ra­len Regie­run­gen und der Euro­päi­schen Uni­on. Dage­gen will die SPE eine Poli­tik set­zen, die zuerst Wachs­tum und Beschäf­ti­gung für Frau­en und Män­ner ankur­belt. Durch Inves­ti­tio­nen müs­sen Wachs­tums­im­pul­se gege­ben wer­den. „Um die­se erfor­der­li­chen Maß­nah­men zu finan­zie­ren, wer­den wir eine euro­päi­sche Finanz­trans­ak­ti­ons­steu­er umset­zen” heißt es in dem Beschluss. (Im übri­gen war in dem ers­ten Reso­lu­ti­ons­ent­wurf von der Finanz­trans­ak­ti­ons­steu­er noch nicht die Rede.) Die SPE for­dert, dass die Kos­ten der Schul­den­diens­te wie­der unter Kon­trol­le gebracht wer­den. Ein Aus­stieg ein­zel­ner Län­der aus dem Euro­raum muss ver­hin­dert, Spe­ku­la­tio­nen über ein Aus­ein­an­der­bre­chen des Euro­raums muss Ein­halt gebo­ten wer­den: „Ein euro­päi­scher Schul­den­til­gungs­fonds bzw. die Ein­füh­rung von Euro­bonds sind Maß­nah­men, die Soli­da­ri­tät för­dern sowie zur Sta­bi­li­sie­rung unse­rer Wäh­rung und zur Wie­der­her­stel­lung unse­res Wett­be­werbs­vor­teils als ver­ein­te Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on …bei­tra­gen könn­ten.” Die­je­ni­gen, die über höhe­re Ein­kom­men und höhe­ren Wohl­stand ver­fü­gen, müs­sen einen ange­mes­se­nen und fai­ren Bei­trag dazu leis­ten.

Eine euro­päi­sche Jugend­ga­ran­tie

Zwei­tes inhalt­lich her­aus­ra­gen­des The­ma war die For­de­rung nach einer „Jugend­ga­ran­tie”. Bei einer Jugend­ar­beits­lo­sig­keit bei­spiels­wei­se in Grie­chen­land oder Spa­ni­en von mehr als 50% eine rich­ti­ge Schwer­punkt­set­zung der SPE. Die Dele­gier­ten for­der­ten eine euro­päi­sche Jugend­ga­ran­tie, die in allen Mit­glied­staa­ten schritt­wei­se umge­setzt wer­den soll und mit der jeder jun­gen Frau und jedem jun­gen Mann ein staat­lich garan­tier­tes Recht auf einen neu­en Arbeits­platz oder eine Lehr­stel­le bzw. eine Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­me spä­tes­tens vier Mona­te nach Ver­las­sen des Bil­dungs­sys­tems oder dem Ver­lust des Arbeits­plat­zes zuge­si­chert wird. Dar­über hin­aus soll unver­züg­lich ein Euro­päi­sches Beschäf­ti­gungs­pro­gramm in Höhe von min­des­tens 10 Mil­li­ar­den Euro auf­ge­legt wer­den. Damit sol­len neue Arbeits­plät­ze und eine bes­se­re Aus- und Wei­ter­bil­dung finan­ziert wer­den.

Ein neu­er SPE-Prä­si­dent

Der Kon­gress wähl­te den ehe­ma­li­gen bul­ga­ri­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Ser­gei Sta­nis­hev zum neu­en Vor­sit­zen­den als Nach­fol­ger des Dänen Poul Nyrup Ras­mus­sen. Ser­gei Sta­nis­hev hob her­vor, dass die Men­schen in ganz Euro­pa eine poli­ti­sche und sozia­le Uni­on benö­ti­gen und ver­die­nen, die ihre Inter­es­sen berück­sich­tigt. Die­se Uni­on zu bau­en ist die Auf­ga­be der  Sozi­al­de­mo­kra­tin­nen und Sozi­al­de­mo­kra­ten Euro­pas: Eine Uni­on mit fai­rem, nach­hal­ti­gem und grü­nem Wachs­tum, mit Beschäf­ti­gung, Gleich­heit und Soli­da­ri­tät. Neu­er Gene­ral­se­kre­tär wur­de Achim Post aus dem Wil­li-Brandt Haus. Weder der Gene­ral­se­kre­tär noch die vier Vize­prä­si­den­ten wer­den vom Kon­gress gewählt. Hier ist noch eini­ges zu tun, um die Mit­wir­kungs­rech­te der Dele­gier­ten zu stär­ken. Glei­ches gilt auch für inhalt­li­che Debat­ten. Dies for­der­ten auch deut­sche Dele­gier­te in der (kur­zen) Aus­spra­che zur Grund­satz­re­so­lu­ti­on: mehr Raum für das Dis­ku­tie­ren von kon­tro­ver­sen Posi­tio­nen wür­den die SPE ins­ge­samt stär­ken, denn nur so kön­ne man sich bes­ser ver­ste­hen und eine gemein­sam getra­ge­ne Posi­tio­nie­rung erar­bei­ten. Dafür erhiel­ten die bei­den Red­ner viel Bei­fall, nicht nur von der SPD-Dele­ga­ti­on. Dies umzu­set­zen und mehr Dis­kus­si­ons — und Ent­schei­dungs­mög­lich­kei­ten zu schaf­fen, ein­schließ­lich dem Tref­fen von Mehr­heits­ent­schei­dun­gen ist eine Auf­ga­be, der sich die SPE in den nächs­ten Jah­ren anneh­men muss.

Mar­tin Tret­bar-End­res, Spre­cher Euro­pa­fo­rum der SPD-SH, Dele­gier­ter auf dem SPE-Kon­gress 2012

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen und der Wort­laut des Beschlus­ses unter www.pes.eu

Gedenken und Solidarität

Die Soli­da­ri­tät der Jusos mit ihrer nor­we­gi­schen Schwes­ter­or­ga­ni­sa­ti­on AUF gibt Zusver­sicht. Die Soli­da­ri­tät macht Mut für eine star­ke euro­päi­sche Sozia­le Demo­kra­tie. Die vie­ler­orts gezeig­te Anteil­nah­me tut gut in Zei­ten des digi­ta­len poli­ti­schen Rau­schens.

Am 22. Juli 2011 töte­te ein rechts­ex­tre­mer Ter­ro­rist in Nor­we­gen 77 Men­schen. Fast jeder erin­nert sich an die schreck­li­chen Anschlä­ge. 69 jun­ge Men­schen wur­den allei­ne im Som­mer­la­ger der AUF auf Utøya ermor­det. Ein Jahr danach ist vor allem ein Tag des Geden­kens an die Opfer die­ses heim­tü­cki­schen Mor­des. Uns eint die Trau­er über das Gesche­he­ne und das Mit­ge­fühl mit den Fami­li­en, den Freun­din­nen und Freun­den der Getö­te­ten. Wie schwer muss es für sie sein, fast jeden Tag das Gesicht des Täters in den Medi­en zu sehen? Vie­le der Ange­hö­ri­gen nen­nen den rechts­ex­tre­men Mör­der zu Recht Gesicht oder gar Fra­ze aus Stein. Getrie­ben von Hass und Ras­sen­wahn mor­de­te er kalt­blü­tig und zeigt heu­te im Gerichts­saal weder Reue noch Ein­sicht. Wut macht sich breit.

Gro­ßer Respekt gebührt da Jens Stol­ten­berg, dem sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Pre­mier­mi­nis­ter Nor­we­gens. Er hat der natio­na­len Trau­er Wür­de ver­lie­hen. Wie kein Zwei­ter ver­tei­dig­te er demo­kra­ti­sche Wer­te, die freit­heit­li­che Ord­nung und die Rechts­staat­lich­keit sei­nes Lan­des und auch Euro­pas im Ange­sicht der ter­ro­ri­schen Anschlä­ge. Dazu gehört für ihn heu­te den Pro­zess und die damit ver­bun­de­ne Öffent­lich­keit des Täters aus­zu­hal­ten.  Die­ser Tage besuch­te er Utøya, um sei­ner Trau­er Aus­druck zu ver­lei­hen. “Es ist erst das zwei­te Mal nach dem Ter­ror, dass ich nach Utøya kom­me”, erzähl­te Stol­ten­berg dabei. “Frü­her war ich jeden Som­mer hier, seit 1974. Es war das Para­dies mei­ner Jugend, das zur Höl­le wur­de.”

Das Geden­ken und die Soli­da­ri­tät eint die euro­päi­sche Sozi­al­de­mo­kra­tie. Der rechts­ex­tre­me Ter­ror, ja die Höl­le, die uns in Nor­we­gen durch einen Ein­zel­tä­ter vor Augen geführt wur­de, ist bis­her nur in sei­nem Aus­maß ein­zig­ar­tig. In ihrer Kalt­blü­tig­keit und ihrer ideo­lo­gi­schen Getrie­ben­heit sind die Anschlä­ge von Oslo und  Utøya mit den Mor­den des Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Unter­grunds, die Deutsch­land bis aufs Mark erschüt­ter­ten,  zu ver­glei­chen. Der Vor­marsch des Rechts­po­pu­lis­mus hat offen­sicht­lich ein Umfeld in der Mit­te Euro­pas geschaf­fen, dass vor ras­sis­tisch moti­vier­ten Mor­den nicht zurück­schreckt.

Daher gilt es heu­te — ein Jahr danach —  den Rechts­ex­tre­men über­all ent­schlos­sen ent­ge­gen­zu­tre­ten und kei­ne Ver­ham­lo­sung des rechts­ra­di­ka­len Ter­ros zu dul­den. Für die­se schwie­ri­ge Auf­ga­be ist dann auch euro­pä­si­che Soli­da­ri­tät not­wen­dig. Aber es gibt außer­dem natio­na­le Auf­ga­ben. In Deutsch­land brau­chen wir dafür, einen refor­mier­ten Ver­fas­sungs­schutz, der die beschrie­be­nen Auf­ga­ben wirk­lich leis­ten kann, und außer­dem end­lich ein Ver­bot der NPD. Das sind wich­ti­ge Zie­le für eine sozi­al­de­mo­kra­tisch geführ­te Bun­des­re­gie­rung.